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Der Dachshund. Phänotyp-Veränderungen seit 1890 von Robert Osterwalder |
Zuchtziele Gezielte Hundezucht wird seit Jahrtausenden betrieben. Die Ziele der Züchter haben sich jedoch während dieser langen Zeitspanne mehrfach verändert. Über die Domestikation von Wildhunden, zur Festigung von speziellen Eigenschaften wie die Eignung als Wach-, Kampf- oder Jagdhund bis zur äusserlichen Vielfalt als z.B. Schoss- oder Begleithund mit möglichst keine für den Hundeliebhaber unerwünschten Eigenschaften wie Jagdtrieb, Aggressivität oder übertriebene Härte (diese Eigenschaft bedeutet in der Regel ein schwer erziehbarer Hund) hat der ursprüngliche Wildhund bis heute eine schier unglaubliche Vielseitigkeit erreicht. |
Genotyp/Phänotyp Während sich der Genotyp einer Hunderasse (Vererbbare Eigenschaften die nicht von Auge ersichtlich sind, siehe Teilauflistung im obigen Absatz) nicht gravierend verändert hat, ist der Phänotyp unserer Urhunde durch Züchterhand in einem kaum akzeptierbaren Mass auseinander divergiert. Phänotyp bedeutet äussere, ersichtliche Merkmale einer Hunderasse die vererbt werden können. Man spricht dann von rassetypischen Merkmalen. Heute sprechen wir bereits von „Qualzuchten“! Fraglos bestehen solche Zuchtziele resp. Hunderassen und es muss ein Weg gefunden werden, um diesen aus der Sicht der Ethik unbegreiflichen Zustand, ein Ende zu setzen. In hohem Masse ist ein in Funktion und Beweglichkeit akzeptabler Hundetyp, durch erforderliche Gebrauchstüchtigkeit in einer unserer herkömmlichen Sparten wie z.B. Schutz-, Lawinen, Blinden- oder Jagdhund gekoppelt. Ein „Bewegungskrüppel“ als Lawinenhund auszubilden wird kein seriöser Hundetrainer angehen. Er benötigt nur wenige Minuten um festzustellen, dass eine Ausbildung unnütz wäre. Eine bedeutend längere Erfahrungszeit benötigt man um einen integren Charakter resp. Wesen des Hundes festzustellen. Ab und zu kommt es vor, dass z.B. Polizeihunde, nach monatelanger Ausbildung, für ihre Berufung im polizeilichen Einsatz in ihrem Nervenkostüm, trotz sorgfältiger Auslese, nicht genügen können. So müssen sie bereits im jugendlichen Alter den Dienst bei der Polizei quittieren. Diese Konsequenz wird bei anderen Gebrauchsfeldern nicht immer angewendet. Man beachte z.B. unsere Jagdhunde die vielfach mit kleinen Wesensfehlern, wie auch evtl. mit limitierten, angewölften jagdlichen Anlagen, noch bedingt ihre Aufgaben mehr oder weniger gut lösen. Die Jäger sind in dieser Beziehung grosszügiger als Polizeibeamte die aus beruflichen Gründen einen in allen Belangen firmen Hund führen wollen und müssen. |
Deutsches vv. Englisches Zuchtziel Lassen sie uns nun das Erscheinungsbild des Dachshundes der letzten hundert Jahre Revue passieren. Schon früh haben sich die Zuchtanschauungen der englischen gegenüber den deutschen Zielen auseinander divergiert. Man bedenke, dass der Englische Dachshund Klub bereits 1881 und der Deutsche Teckel Klub erst 1888 gegründet wurde! Der Ärmelkanal hat in manchen Beziehungen vollkommen verschiedene Ansichten und Meinungen aufkommen lassen. Bereits zur damaligen Zeit durfte man feststellen, dass die Dachshunde in England nicht als Jagdhund Verwendung fanden. Eine entsprechende Beweglichkeit im Gebrauch musste somit aus züchterischer Sicht nicht besondere Beachtung geschenkt werden! Der englische Rassestandard für Dachshunde entspricht in etwa dem der FCI (Fédération Cinologique Internationale – unser Hunde-Dachverband) aus dem Jahre 1964. Er unterscheidet sich nicht allzu sehr von unseren Vorstellungen. Der heute gültige Dachshundstandard Nr. 148 der FCI aus dem Jahre 2001 hat selbstverständlich einen gewichtigen Schritt in die heutige Zeit getan. Man beachte alleine die Umschreibung der Proportionen. Es heisst hier: Bei einem Bodenabstand von etwa einem Drittel der Widerristhöhe (bei der Standardgrösse ca. 25 cm) soll die Körperlänge in einem harmonischen Verhältnis zur Widerristhöhe stehen, etwa 1 zu 1,7 bis 1,8. Dieses festgeschriebene Mass zeigt deutlich auf, dass wir heute den Trend zu einem kürzeren Rücken haben. Die Richter und Züchter des Kennel Club (KC) aus England und heutzutage auch diejenigen des American Kennel Clubs (AKC) haben jedoch andere Wege beschritten. Sie bevorzugen einen Dachshund von bis zu 15 Kg Körpergewicht in der Standardgrösse, bei einem Bodenabstand von ca. 3 cm zwischen Brustbein und Boden! Wo bleibt dem Dachshund hier noch die erwünschte Beweglichkeit? Der Rassestandard der FCI schreibt jedoch ein Maximalgewicht von ca. 9 Kg mit dem oben erwähnten Bodenabstand vor. Ein solcher Dachshund der Standardgrösse entspricht genau den Vorstellungen des Jägers. Der Dachshund ist in der Lage, durch seine Grösse, Gewicht und Beweglichkeit in den Fuchs- oder Dachsbau einzuschliefen, wie auch über der Erde bei der Stöberarbeit über „Stock und Stein“ ausdauernd über Stunden zu jagen. Es zeigt sich hier deutlich auf, dass aus einem fast gleichlautenden Standard für Dachshunde zwei vollkommen verschiedene Dachshundarten entstanden sind. |
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Kurzhaar-Dachshund Gestatten Sie mir den anglikanischen Dachshundtyp zu verlassen, denn bei unseren Zuchtbestimmungen wird ein solcher „Mordskerl“ aus der Zucht ausgeschlossen. Wenden wir uns unserem Urdackel, dem Kurzhaar, zu. Mittelalterliche Leithunde, Bracken und eine reinerbige, vererbbare Verlustmutation der grossen Röhrenknochen im Wachstum (erblich bedingte Entwicklungsstörung), haben unseren Dachshund geformt. Diese Entwicklungsstörung betrifft also ausschliesslich die Röhrenknochen der Läufe. Die Entwicklung aller anderen Körperteile ist nicht von dieser Störung betroffen. Diese Verlustmutation nennt man Chondrodystrophie (Chondro = Knorpel, dys = miss, trophie =Ernährung). Das anvisierte Ziel war unseren Dachshund unter der Erde, im Dachs- und Fuchsbau, jagdlich einzusetzen. Zuchtauslese über Jahrhunderte hatte bereits Ende des 19. Jahrhunderts einen ansehnlichen Typ erschaffen. In manchen spezifischen Punkten entsprach er jedoch auch vor einhundert Jahren nicht den Vorstellungen der Kurzhaar-Liebhaber. Beim Kopf fehlte es an Adel, die Vorderhand wurde oftmals ausgedreht, der Hinterhand mangelte es an einer korrekten Winkelung, so dass der Hund mit einer ansteigenden Rückenlinie als „überbaut“ beurteilt werden durfte. Grösse und Gewicht klafften durch die ganze Kurzhaarpopulation auseinander. Nun, Schritt um Schritt wurden diese Mängel herausgezüchtet, so dass wir heute von einem edlen, hervorragend proportionierten, gefestigten Kurzhaar sprechen können von dem die Züchter der Zukunft in ihrem Zuchtziel nicht abrücken sollten. Eine Gefahr lauert über unseren Kurzhaar. Es ist dies Grösse und Gewicht. Wir müssen auf dieses Problem besonders achten damit schlussendlich nicht die Funktionstüchtigkeit unserer Kurzhaar verloren geht. Bitte beachten Sie noch die Ausführungen unter „Langhaar“, letzter Absatz. |
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Präsentiert werden ein schwarz-roter und ein roter Dachshund entsprechend dem „alten Typ“ um 1890. Der Kopf zeigt sich bereits sehr ansprechend, das Auge ist sehr gut eingesetzt und hat fast die gewünschte ovale Form. Der Behang ist korrekt angesetzt und getragen. Einzig bei den Lefzen ist ein Vorbehalt anzubringen: Sie sind nicht straff und geschlossen genug. Dies korrespondiert jedoch mit dem schweren Körperbau. Er entspricht in keiner Art und Weise den heutigen Anforderungen. Der Hals ist sehr massig ausgebildet, der Rücken zeigt beim Roten einen angedeuteten Widerrist. Lende, Kruppe und Rutenansatz erscheinen nicht harmonisch. Die Rute ist „ellenlang“. Die Vorbrust erscheint etwas flach und nicht, wie erwünscht, stark hervorspringend. Der Schwarz-rote scheint eine gerade und korrekt gestellte Vorderhand aufzuweisen. Dies im Gegensatz zum Roten, der doch über die Schulterlage, Oberarmlänge, Stellung und Festigkeit des Vodermittelfuss-Gelenkes zu den zehenweiten Pfoten einiges zu wünschen übrig lässt. Beide scheinen nicht besonders geschlossene Pfoten zu haben. Die untere Linie erscheint wiederum gut im Gegensatz zur steil gewinkelten Hinterhand. Lende, Kruppe Rutenansatz, Rutenhaltung und die nicht genügend gewinkelte Hinterhand korrespondieren in allen Teilen. Schlussendlich darf dem Roten ein zu hoher Bodenabstand attestiert werden. Eine Folge der damaligen Zeit, denn die Festigung des Phänotyps des Kurzhaars war zu jener Zeit noch nicht abgeschlossen. Das Erbe der hochläufigen Bracken herrschte noch vermehrt vor. Vom Gewicht her gesehen erscheinen die Zwei deutlich über das Limit von 9 kg zu gehen. Wir haben wohl substanzvolle, aber bezüglich Beweglichkeit, mit nicht sehr agilen, wendigen Dachshunden zu tun. |
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Auch hier ist ein roter Kurzhaar um 1890 abgebildet. Das Bracken- resp. Leit-(Schweiss)hunderbe zeigt sich deutlich. Hat sich allenfalls aus einem solchen Typ auch der Dachsbracke entwickelt? Dem Kopf kann man ein gewisses edles Merkmal nicht absprechen. Auch der Ansatz und das Tragen des Behanges ist korrekt. Der Hals hat bereits eine sehr gute Länge. Dies im Gegensatz zum Bild 1. Die Hals- geht schwungvoll in die Rückenlinie über. Auch hier ist ein minimaler Widerristansatz ersichtlich. Die Lendenpartie des Rückens sowie die Stellung der Kruppe (nicht leicht abfallend sondern zu waagrecht gestellt) lassen zu wünschen übrig. Der Rutenansatz ist entsprechend der Kruppenstellung etwas zu hoch angesetzt. Die Haltung der Rute zeigt eine fast einwandfreie Stellung, nämlich eine waagrechte Fortsetzung der Rückenlinie. Die Vorbrust ist auf diesem Bild bedeutend besser ausgeprägt als auf Bild 1. Das sie nicht markanter hervorspringt beruht auf Grund der Stellung der Vorderhand. Ein vermutlich nicht genügend schräg gestelltes Schulterblatt, ein zu kurzer Oberarm mit einer zu steilen Winkelung schiebt die ganze Vorderhandpartie etwas nach vorn und verdeckt somit das Vorbrustvolumen. Erstaunlicherweise sind die vorderen Extremitäten gerade und parallel gestellt. Der Vordermittelfuss scheint die notwendige Festigkeit zu haben, die Pfoten sind geschlossen. Die untere Linie ist korrekt. Die Hinterhand ist ebenfalls nicht genügend gewinkelt, was mit der Lendenpartie und der Kruppenstellung korrespondiert. Hintermittelfuss und Pfoten zeigen sich fest und geschlossen. Auch die Hinterhand scheint parallel gestellt zu sein. In der Annahme, dass es sich hier um einen „Scheideweg“ zwischen Dachshund der Standardgrösse und Dachsbracke handeln könnte, so ist der für einen Dachshund an der oberen Grenze angesiedelte Bodenabstand verständlich. Auch das Gewicht dieses substanzvollen Typs wird wohl über der zehn Kilo-Marke liegen. Rundum für die damalige Zeit ein bemerkenswert ausgewogener Typ! War dies ein Wunschtraum von damals? |
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Hier dürfen wir den anglikanischen Dachshundtyp begrüssen. Ein edler Hündinnenkopf, ein korrekt langer Hals, eine wunderschön in die Rückenlinie verlaufende Halspartie, ein fester und gerader Rücken, korrekt gestellte Kruppe und Rutenansatz, tadellos getragene Rute und eine sehr gut hervorspringende Vorbrust. Nun aber zur Vorderhand: Die erwünschte, schräge Schulterlage scheint vorhanden zu sein, aber der etwas kurze Oberarm und die dann folgende Winkelung der Vorderhand lassen etwas zu wünschen übrig. Die untere Linie ist für eine Hündin korrekt, die Hinterhandwinkelung ebenso. Und jetzt: der Bodenabstand! Bei einer Büchse mit frei liegendem Lauf testet man dies mit einem Blatt Papier. Kann man das Blatt Papier zwischen Lauf und Vorderschaft bis zum Verschlussgehäuse schieben, so spricht man von einen frei schwingenden Lauf. Auch hier wird man ein Blatt Papier zwischen der tiefen Brust und dem Boden schieben können. Bei einer unserer Jagdbüchsen ist dies erwünscht, bei unserem Dachshund sicherlich nicht! Dieser Dachshund ist in seiner Bewegungsfreiheit stark limitiert. |
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Donnerwetter! Eine Augenweide des heutigen Kurzhaars. Edler Hündinnenkopf, sehr gute Fangtife, einwandfreier Stirnabsatz (Stop), korrekt seitlich eingesetztes, ovales Auge, einwandfrei angesetzte und getragene Behänge von korrekter Länge. Eleganter, korrekt langer Hals, die Halslinie geht harmonisch in einen Widerrist über. Eine stramme Rückenlinie die einwandfrei in eine leicht abfallende Kruppe endet, ein korrekter Rutenansatz. Was für eine Vorbrust. Eine in allen Teilen tadellose Vorderhand, was für ein trockener Vordermittelfuss mit geschlossenen Pfoten. Die untere Linie ist einwandfrei. Eine muskulöse, in Topform befindliche Hündin. Die Hinterhand ebenfalls fehlerlos mit einer ausgewogenen Winkelung. Hintermittelfuss und Pfoten ebenfalls einwandfrei. Die Hündin steht auf ihren vier Extremitäten in einer ausgewogenen Balance. Kein Orkan wird diese Hündin „umschmeissen“ können. Zuallerletzt der Bodenabstand: Zwei Drittel zu einem Drittel, wie man es sich wünscht. Bezüglich Körperlänge darf festgehalten werden, dass in der Regel Hündinnen immer einen etwas längeren Rumpf als Rüden aufweisen. Auch optisch erscheint der Rüde, bedingt durch den Penis, kürzer. Man darf hier ruhig für einige Sekunden dieses wunderschöne Bild einer Kurzhaarhündin konsumieren. Dieses Bild sollte jeder Dachshundliebhaber in seinem Gedächtnis, von unbekannter Hand, „einbrennen“ lassen. |
Rauhaar-Dachshund Der Rauhaar entstand vorwiegend aus unserem Kurzhaar durch Einkreuzung von rauhaarigen Pinschern (Schnauzern) und dem Dandie Dinmont Terrier aus England. Der Grossteil der englischen Hunderassen fanden mit Pferdetransporten (Vollblüter) den Weg in unser Kontinent. Zu den beim Kurzhaar aufgeführten Knacknüssen stellten sich, durch die Einkreuzung des Dandie Dinmont Terriers, noch folgende Negativpunkte dazu: Ein zu weiches Rauhaar, eine unerwünschte Cremefarbe wie auch eine Schopfbildung auf dem Schädel. Aus der Einkreuzung mit rauhaarigen Pinschern handelte man sich in der Hauptsache folgendes ein: Einen kürzeren Fang gekoppelt mit einer Veränderung der Schädelform, ein runderes Auge das weniger seitlich eingesetzt ist und einen zu kurzen Oberarm mit einer zu steilen Vorderhandwinkelung. Auch eine zu steile Winkelung der Hinterhand wurde durch diese Einkreuzung ein unübersehbarer Fakt. Dies bewirkte zudem ein zu hoher Bodenabstand, denn eine Erhöhung entspricht ebenfalls nicht den erwünschten rassetypischen Begebenheiten. Wir wollen ja nicht den Deutschen Jagdterrier konkurrenzieren. Dem erwünschten, stark vorspringenden Brustbein war die Einkreuzung beider Rassen auch nicht eben förderlich. Im Leistungsbereich wurde zum Einen eine brauchbare Wildschärfe und anderseits, zum Leidwesens des spurlauten Jagens, stumme Dachshunde eingehandelt. Um dies alles zu korrigieren wurde immer wieder mit Kurzhaar „Aufbesserungsversuche“ unternommen. Dies mit dem Resultat, dass bis zum heutigen Tag in Rauhaarwürfen ab und zu kurzhaarige Hunde, ohne Bart und Augenbrauen, fallen. Auf dieser Welt hat alles, wie überall, Vor- wie auch Nachteile. |
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Der Dandie Dinmont Terrier (DDT). Einer der Mitbegründer unserer rauhaarigen Dachshunde. Noch heute meldet er sich durch Rückschläge in der Rauhaarzucht wieder in Erinnerung. Insbesondere ein zu wenig harsches Rauhaar, die Schopfbildung auf dem Kopf sowie die unerwünschte Cremefarbe die in England weit verbreitet ist, sind Indizien die auf den DDT hinweisen. Betrachtet man das Bild genauer, so ist es mit den Winkelungen der Vorder- und Hinterhand wie auch mit der Vorbrust nicht weit her. Zu beachten gilt noch der Augeneinsatz, der stark zur Mitte tendiert. |
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Der deutsche rauhaarige Pinscher wurde auch „Rattler“ genannt. Er wurde hauptsächlich als Rattenfänger eingesetzt. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts hat man, um das gesuchte und erwünschte Rauhaar beim Dachshund festigen zu können, grosse Konzessionen in Kauf genommen! Auch hier dürfen noch heute Rückschläge in der Rauhaarzucht festgestellt werden. Eine nicht erwünschte Schädelform mit kurzem Fang, ein rundes nicht seitlich eingesetztes Auge, ein kurzer Oberarm sowie eine nicht genügend gewinkelte Vorder- und Hinterhand zeugen von der zweiten Rasse, die mit dem kurzhaarigen Dachshund gekreuzt wurde um einen rauhaarigen Schlag zu bekommen. Eine zu flache Vorbrust beim Dachshund darf auch hier dem Pinscher als Ausgangspunkt angelastet werden. |
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Ein Bild um 1895. Was für ein Kopf, was für eine Fanglänge und -tiefe! Er hält mit den heutigen Köpfen stand. Auch hier ein korrekt angesetzter und getragener Behang. Der Hals scheint etwas massig zu sein. Die Halslinie geht harmonisch in die verhältnismässig kurze Rückenlinie über. Das Verhältnis von 1 zu 1,7 bis 1,8 wird hier wohl erreicht werden. Dies entspricht ja unserem Standard veröffentlicht durch die FCI im Jahre 2001! War der Künstler ein Hellseher? Die Rückenlinie ist nicht ganz erbauend. Die etwas kurze Kruppe bedingt einen etwas hohen Rutenansatz, die Rute wird ordentlich getragen. Durch die etwas nach vorn gestellten linken Vorderhand erscheint die Vorbrust etwas mangelhaft, was jedoch hier nicht diagnostiziert werden sollte. Bei einer etwas nach hinten gestellten Vorderhand wäre die Winkelung derselben absolut akzeptabel. Eine sehr gute Brusttiefe und untere Linie bringt uns wieder zum wundesten Punkt dieses Dachshundes. Die Hinterhandwinkelung ist nicht genügend, so dass auch hier die gesamte Hinterpartie als dessen schwächster Teil zu bezeichnen ist. Der Bodenabstand ist ideal. Alles in allem eine ziemlich ausgewogene Erscheinung die seiner Zeit weit voraus war. Mit Sicherheit entsprach dieser Dachshundtyp nicht dem damaligen vorherrschenden Formwert. |
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Ein schwarz-roter Rauhaar, gewölft im Jahre 1919. Aus Deutschland als „Der Dachshund“ schlechthin in die Schweiz importiert. Als “Der Vererber“ in Dachshundkreisen angepriesen. Der Rüde weist keinen besonders edlen Kopf auf. Das Auge ist etwas weit vorne eingesetzt. Die Fangtiefe erscheint mangelhaft. Ein etwas kurzer, voluminöser Hals geht etwas abrupt in die Rückenlinie über. Möglicherweise ist dies durch die Halsung bedingt. Der Rücken erscheint fest, in eine korrekt gestellte Kruppe übergehend. Wie viel ist hier Vorbrust, wie viel ist Haar? Die untere Linie erscheint sehr gut. Die Winkelungen der Vorder- und Hinterhand sind nicht genügend. Einen einwandfreien Bodenabstand weist der Rüde auf. Über die vorhandene Knochensubstanz kann man ein Fragezeichen setzen. Die Haarqualität darf als eher weich eingestuft werden. Alles in allem eine kompakte Gesamterscheinung, jedoch mit den heutigen Top-Dachshunden nicht vergleichbar. |
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Ein ausserordentlicher Repräsentant seiner Rasse, jedoch nicht in Balance stehend! Vergleichen Sie dieses Bild mit der Ablichtung Nr. 4. Dort steht die Hündin in absolutem Gleichgewicht. Nun, für diese Stellung kann man den Rüden nicht haftbar machen. Er ist hervorragend aufgebaut. Sein Kopf ist ausdrucksvoll, das ovale Auge ist einwandfrei seitlich eingesetzt. Wunderbar ausgebildeter Bart wie auch buschige Augenbrauen, tadellos angesetzter und getragener Behang. Was für ein eleganter Hals der harmonisch in einen leichten Widerrist übergeht. Der einwandfreie und feste Rücken würde nicht eine leicht abfallende Linie aufweisen, sofern der Rüde die Hinterhand korrekt auf Höhe des Sitzbeinhöckers platzieren würde. Trotzdem geht die obere Linie tadellos in eine korrekt gestellte Kruppe über. Ein einwandfreier Rutenansatz rundet das Bild ab. Die ausgeprägte Vorbrust geht schwungvoll in eine erwünscht tiefe Brust über. Die untere Linie ist korrekt. Die Winkelungen der Vorder- und Hinterhand sind einwandfrei. Sie wären noch ausgeprägter bei einer ausgewogeneren Stellung der Läufe. Vorder- und Hintermittelfuss erscheinen fest und trocken, die Pfoten sind einwandfrei geschlossen. Der Bodenabstand entspricht dem geforderten FCI-Standard. Die Haarstruktur erscheint von korrekter Länge und bester, harscher Qualität zu sein. Was für eine Substanz weist dieser kapitale Rüde auf. Dieser Rauhaartyp ist in seiner Gesamtheit das Ziel eines jeden Züchters. |
Langhaar-Dachshund Der langhaarige Dachshund hat wiederum den Kurzhaar zum Stammvater. Gekreuzt wurde er vornehmlich mit Wachtelhunden und Spaniels. Negative Einflüsse sind, im Gegensatz zum Rauhaar, bedeutend weniger zu vermerken. Die Haarstruktur gibt auch hier ab und zu zu Sorgen Anlass. So fallen vereinzelt kurzhaarige Dachshunde aus langhaarigen Paarungen. Wen wundert’s? Aus der Sicht des Formwerts hat der Langhaar am meisten profitiert. Der Kopf mit seinen langen Linien, die Fangtiefe, das korrekt eingesetzte ovale Auge, dies alles besticht. Der korrekt lange Hals, die feste Rückenlinie mit einer meist tadellos gestellten Kruppe, die überwiegend korrekt getragene, lange Rute, die Winkelungen der Vorder- und Hinterhand wie auch der Bodenabstand gehören zum Besten. Ein Punkt ist allenfalls zu beachten. Es ist dies die Vorbrust, die ab und zu nicht genügend vorspringt. Auch im jagdlichen Gebrauch hat der Langhaar, besonders beim Jagen über der Erde, hervorragende Eigenschaften resp. Anlagen vereinen können. Der Langhaar unterscheidet sich im Typ deutlich vom Kurz- und Rauhaar. Rundum die eleganteste Erscheinung. Amerikaner sind Erdenbürger mit manchmal guten wie auch weniger guten Ideen. So haben sie den reinerbigen Kurzhaar mit Langhaar zurückgekreuzt um die Köpfe edler zu gestalten und um das harsche, manchmal jedoch etwas schüttere Kurzhaar zu verbessern. Im Haar heterogene, mischerbige Kurzhaarteckel waren geboren. In den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts kamen die ersten Produkte dieser Kreuzung nach Deutschland. Der Deutsche Teckel Klub hat zur damaligen Zeit die unterschwellig lauernde Gefahr nicht oder zu spät erkannt. Die kurzhaarigen Amerikaner bestachen durch ihre Eleganz und ihr dichtes, glänzendes jedoch nicht mehr so harsches Kurzhaar. Sie wurden sogleich in die traditionelle deutsche, auf das Haar reinerbige Kurzhaarpopulation eingekreuzt. Der Amerikanertyp trat einen Siegeszug seinesgleichen an! Der ursprüngliche feingemeisselte Kurzhaarkopf wich den klaren Langhaarlinien. Heute findet man kaum noch eine reine deutsche Kurzhaarlinie. Auch hier erstaunt es nicht, wenn man feststellen darf, dass vereinzelt in Kurzhaarwürfen langhaarige Dachshunde fallen! Im Jagdgebrauch hat der Kurzhaar mit Amerikanerblut auch etwas „Federn“ gelassen. Seine hervorragenden Anlagen gingen teilweise verloren. Eine logische Folge, denn die Amerikaner legen keinen Wert auf jagdliche Eigenschaften. Auch die Grössen- und Gewichtsprobleme des Standardteckels waren wieder vermehrt präsent. Grundsätzlich darf jedoch festgehalten werden, dass zeitweise „schwere Schlachtschiffe“ bei allen drei Haarvarietäten der Standardgrösse präsentiert werden. Somit wäre der Kreis wieder geschlossen. |
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Dieses Bild darf um 1885 angesiedelt werden. Was für Köpfe! Der spitze Fang erinnert fast an einen Fuchs. Auch hier ist das Auge nicht optimal eingesetzt und etwas zu rund. Man beachte den zu tiefen Ansatz des Behanges. Der Spaniel lässt grüssen. Die Konstellation des Gebäudes korrespondiert mit den alten Kurzhaar- wie auch Rauhaarschlägen. Aber auch hier ist der Bodenabstand korrekt, was zweifelsohne aufzeigt, dass der Kontinent seit Jahrzehnten andere Zuchtziele als die Engländer verfolgt hat. Ein besonderes Kapitel ist dem Haar zu widmen. Auf Grund dieses Bildes darf von schlichtem, festem, eher groben Deckhaar ausgegangen werden. Ein „Gebrauchslanghaar“ das für den Dachshund einen hervorragenden Schutzschild gegen äussere Einflüsse wie Witterung oder Verletzung durch feste Gegenstände (z.B. Äste) abgibt. Mit dieser Haarstruktur könnte man heute an einer Ausstellung nicht mal einen Blumentopf gewinnen! Sind wir jedoch mit der heute geforderten Haarkonstellation auf dem richtigen Weg? Schön anzuschauen ist es, aber ..... Hier soll für alle Haarvarietäten festgehalten werden: Ein gutes Haar ist pflegeleicht. Um so weniger eine Haarbürste benötigt wird, desto besser ist das Haar! |
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Ein Bild um 1895. Sicherlich entspricht auch dieses Bild wie die Nr. 2 und 7 eher Wunschvorstellungen der damaligen Zeit. Der „Alltag“ wird sicherlich in Sachen Formwert bedeutend schlechter ausgesehen haben. Es erstaunt auch hier der substanzvolle, markante Rüdenkopf mit einem kräftigen Fang und ausgeprägter Fangtiefe. Das Auge ist auch hier noch nicht optimal eingesetzt. Der Oberkopf erscheint etwas rund, der Behang ist korrekt angesetzt und getragen. Der etwas kurze und sehr kräftige Hals ist auch hier festzustellen. Die Hals- fliesst in eine gute Rückenlinie, zu einer etwas kurz geratenen Kruppe, über. Die Rute ist entsprechend etwas hoch angesetzt. Die Vorbrust scheint hier gänzlich zu fehlen. Die untere Linie ist korrekt. Die Winkelungen der Vorder- und Hinterhand sind auch hier mangelhaft. Vorder- und Hinterhand sind substanzvoll und parallel gestellt. Vorder- wie auch der Hintermittelfuss sind fest und die Pfoten korrekt geschlossen. Der Bodenabstand ist sehr gut. Der Gesamteindruck zeugt von einem kompakten, muskulösen Langhaar mit für die damalige Zeit unüblichen Adel. Das Langhaar entspricht dem Beschrieb unter Bild 10. Ein funktionelles Langhaar „für alle Fälle“. |
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Hier ist ein Langhaar der heutigen Zeit abgebildet. Solche Dachshunde stehen an Ausstellungen an der Spitze. Ein wunderschöner Kopf, ein langer und tiefer Fang, ein korrekt eingesetztes ovales Auge. Der Behang ist etwas tief angesetzt, den Grund kennen Sie in der Zwischenzeit. Über den Hals kann nichts gesagt werden, denn er ist durch den Behang und dem Haar verdeckt. Eine feste, einwandfreie Rückenlinie die in eine korrekte Kruppe endet ist festzustellen. Über die Vorbrust kann ebenfalls nichts ausgesagt werden, denn sie ist vom Langhaar verdeckt. In der Praxis muss mit der Hand dessen Vorhandensein geprüft werden. Brusttiefe und untere Linie können auf dem Bild ebenso wenig beurteilt werden. Auch hier ist eine Überprüfung von Hand notwendig. Der wunderschöne Langhaar steht nicht in Balance. Beachten Sie bitte die linke Hinterhand. Über die Winkelungen der Vorder- und Hinterhand kann nichts schlüssiges gesagt werden. Der ganze Körper inkl. Läufen ist hinter einem Haarvorhang verdeckt. Bei der Beurteilung eines Langhaars mit dieser Haarpracht benötigt ein Richter ab und zu „Röntgenaugen“. Somit sind wir wieder bei der Haarqualität angelangt. An Ausstellungen wird ein schlichtes, glänzendes Langhaar, dass an verschiedenen Körperteilen, an den Läufen und an der Rute eine deutlich längere Behaarung (Befederung) verlangt, gefordert. Diese Dachshunde sind herrliche Geschöpfe. Es ist eine Augenweide sie im Ring in Aktion begutachten zu dürfen. Nun kommt das aber! Das Deckhaar fühlt sich seidig, weich und schmiegsam an, eine Haarbürste wird meistens nicht weit vom Hund entfernt zur Verfügung stehen. Die Festigkeit des Deckhaars, eine etwas grobe Struktur die äussere Einflüsse abweist, fehlt. Würde ein mit einer solchen Haarpracht ausgestatteter Langhaar im Jagdgebrauch eingesetzt, so würde er im wahrsten Sinne des Wortes „Haare lassen“! Dies zeigt deutlich auf, dass zwischen Ausstellungs- und Gebrauchslanghaar eine Kluft herrscht. Schlussendlich ist für den Dachshund nur folgendes von Interesse: Welche Langhaarstruktur schützt ihn vor äusseren Einflüssen besser. Die Antwort lautet: das etwas gröbere, feste und etwas kürzere Gebrauchslanghaar, genügend Unterwolle vorausgesetzt. Mit diesem Langhaar hat jedoch ein Dachshund im Ausstellungsring und bei den Langhaarliebhabern „keinen Stich“! Hier treffen zwei Welten aufeinander. |
Zusammenfassung Aus züchterischer Sicht ist zu beachten: Heutzutage ist ein Kreuzen unter den Haararten (Kurz-, Rau- und Langhaar) wie auch Grössen (Standard-, Zwerg- und Kaninchendachshunde) nicht gestattet. Kurzhaarige Dachshunde aus Rauhaar und Langhaar sind ebenso aus der Zucht auszuschliessen wie auch langhaarige Dachshunde aus Kurzhaar. Sie sind „atypisch“, was als „Schwerer Fehler“ bezeichnet werden kann. Wir können heutzutage unsere Varietäten nur noch, innerhalb ihres geschlossenen Kreises, durch ausmerzen von Fehlern, durch sorgfältige Auslese des Zuchtpartners, verbessern. Das Kreuzen hat endgültig ausgedient. Rückschläge in der heutigen Dachshundzucht lassen erkennen mit welchen „Tricks“ unsere Vorfahren bei der Auswahl des Zuchtmaterials gearbeitet haben. Fazit: Wir haben heute bei allen drei Haarvarietäten und Grössen in Formwert und Leistung hervorragendes Zuchtmaterial. Besondere Beachtung sollte der Zuchtbasis des Kurzhaar-Kaninchenteckels geschenkt werden, denn sie ist noch heute besonders schmal. Die Ausgewogenheit von Wesen, jagdlichen Anlagen und Exterieur ist überdurchschnittlich. Dieser Stand kann jedoch nur aufrecht erhalten werden, sofern sich der Züchter bereit erklärt sich zu informieren, aus- resp. weiterbilden zu lassen, bereit ist sein Zuchtmaterial in Formwert und Leistung in Konkurrenz zu stellen und keine Mühe scheut mit dem Fahrzeug Tausende von Kilometern zurückzulegen. Dachshunde von höchster Qualität zu züchten kostet viel Geld. Eine Wurfplanung mit einem Rüden vom Nachbar ist zwar kostengünstig und fördert die nachbarliche Beziehung. Die Qualität der Nachzucht hält meistens einer fachmännischen Prüfung nicht stand. Man hat damit die Dachshundpopulation vermehrt, die Qualität bleibt in den meisten Fällen auf der Strecke. Wir müssen gemeinsam versuchen das ersterbenswerte Ziel zu ereichen, nämlich Dachshunde zu züchten die unseren Vorstellungen bezüglich Formwert und Leistung nicht nur genügen, sondern deutlich übertreffen! |
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